Das Exposé - gehasst und unterschätzt

#1 von Gerlinde , 26.05.2016 09:12

Drehbuchautoren hassen es für gewöhnlich, ein Exposé zu schreiben. Sie wollen ihr Drehbuch für sich sprechen lassen. Nur, ein Drehbuch hat manchmal 100 Seiten und mehr, Und Produzenten, Redakteure und Lektoren von Produktionsfilmen, haben anders zu tun, als sich durch 100 Seiten Drehbuch durchzuwühlen. Sie wollen eine Geschichte schnell und möglichst umfassend erfassen können, um zwei Dinge sehen zu können:

1. Versteht der Autor sein Metier, und
2. um was geht es bei dem Stoff? Ist er interessant für das Publikum, die Zielgruppe?

Es gibt kein Form, wie ein Drehbuchexposé auszusehen hat, aber einige Kriterien haben sich in den letzten Jahrzehnten herausgebildet. Ihr könnt sie hier und hier Beispielsweise nachlesen. Hier ein Beispiel von mir:

LOGLINE: Die Hauptstoryline in möglichst einem Satz. Dient als Anreiz

SYNOPSIS: Die Hauptstoryline mit Motiven, Want und Need von Prota und Anta auf höchstens 1 Seite erzählt. Nebenhandlungen werden nur dann erwähnt, wenn sie die Haupthandlung tangieren. Das Ende muss nicht unbedingt verraten werden, kann aber angedeutet werden.


HAUPTCHARAKTERE:

Personen werden in einem oder zwei Sätzen im Hinblick auf ihre Rolle beschrieben. Ein Beispiel:

FLORIAN BERGER (28). Polizist und Frauenheld, lernt zu erkennen, was wahre Liebe ist.

INHALT:

Hier wird die Handlung in einzelnen Schritten (Steps) erzählt, die später zu Szenen werden können, aber nicht müssen. Ich fasse mehrere Szenen zu einem Step zusammen. Ein Beispiel aus dem Exposé von "Prenzelberg":

Zitat
Der Koch PETER VOGEL (28), Inhaber des Nobelrestaurants, kocht in der Küche, als ihm ein Kellner mitteilt, dass seine baldige Exfrau SVENJA VOGEL (30) im Restaurant mit ihrem neuen Liebhaber ist, und verlangt, kostenlos speisen zu können. Peter geht in sein Lokal, und hat mit seiner Ex eine Auseinandersetzung. Er will sie hinauswerfen. Da droht sie, sein „kleines Geheimnis“ öffentlich zu machen. Er schweigt, und lässt beide kostenlos essen und trinken.



Daraus habe ich 4 Szenen gemacht.

Alles zusammen, das ganze Exposé (ohne Titelblatt), sollte nicht mehr als 5-6 Seiten haben. Und nun, versucht einmal, bevor Ihr ein Drehbuch für einen Kurzfilm schreibt, ein Exposé vorher zu erstellen. Es ist gar nicht so einfach, werdet Ihr merken!


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RE: Das Exposé - gehasst und unterschätzt

#2 von 7River , 12.08.2016 11:05

Das Beispiel fand ich ganz hilfreich:

https://www.drehbuchwerkstatt.de/Fachtexte/expose.htm

Ich werde mich mal dransetzen, von meinem neuen Spielfilmdrehbuch eins zu schreiben.

 
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RE: Das Exposé - gehasst und unterschätzt

#3 von Gerlinde , 13.08.2016 01:01

Zitat von 7River im Beitrag #2
Das Beispiel fand ich ganz hilfreich:

https://www.drehbuchwerkstatt.de/Fachtexte/expose.htm

Ich werde mich mal dransetzen, von meinem neuen Spielfilmdrehbuch eins zu schreiben.


Hättest Du den ersten der beiden Links angeklickt, hättest Du das Exposébeispiel der Drehbuchwerkstatt gefunden.


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RE: Das Exposé - gehasst und unterschätzt

#4 von 7River , 13.08.2016 07:05

Oh Mann, das ist mir schon etwas peinlich. Stimmt natürlich, Gerlinde.

 
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RE: Das Exposé - gehasst und unterschätzt

#5 von Gerlinde , 13.08.2016 18:27

Zitat von 7River im Beitrag #4
Oh Mann, das ist mir schon etwas peinlich. Stimmt natürlich, Gerlinde.


Niemand ist vollkommen. Außer ich! Darum drückt mein Heiligenschein auch so auf meinen Kopf.


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RE: Das Exposé - gehasst und unterschätzt

#6 von 7River , 13.09.2017 20:15

Es ist aber eine gute Herangehensweise, um ein Drehbuch zu schreiben. Man kann die einzelnen Schritte genau planen, und hat immer die wichtigsten Dinge vor Augen.

 
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RE: Das Exposé - gehasst und unterschätzt

#7 von Gerlinde , 13.09.2017 20:33

Wenn ich ein Exposé schreibe, dann zuerst auf Blatt 2 (Blatt 1 ist Titel, etc), die Logline und dann die Synopsis, wobei ich bei der Synopsis darauf achte, von Prota und Anta deren want und need, sowie von der Hauptstoryline die Wendepunkte zu beschreiben. Auf Seite 3 kommt die Beschreibung der Charaktere, und ab Seite 4 die Handlung. Hier ein Beispiel:

Abgehalfterter Privatdetektiv soll ehemalige Nonne finden, und wird mit der eigenen Familiengeschichte konfrontiert.

SYNOPSIS:

Der von Gelegenheitsjobs lebende Privatdetektiv CHRISTIAN ABEL (40), ein ehemaliger Polizist mit dem Hang zu Alkohol und billigen Frauen, bekommt von seiner alten Freundin JASMIN DACH (40) den Auftrag, eine katholische Nonne mit dem Spitznamen „Schwester Teufel“ zu suchen, die ihre Mutter HELGA DACH (56), die am Tag vorher Selbstmord begangen hatte, während ihrer Zeit in einem Heim für „gefallene Mädchen“ gequält hatte. Sie übergibt Christian ein Tagebuch, dass er verspricht, wie seinen Augapfel zu hüten.
Christian liest das Tagebuch, und findet dabei heraus, dass seine Mutter, LOUISE BAUER (57), die zu ihm immer ein kaltes, abweisendes Verhältnis gehabt hat, eine der jungen Frauen aus dem Heim war.
Christian besucht seine Mutter, die in Gesellschaft eines katholischen Priesters, GIDEON LAUER (50) ist. Als Christian sie nach der Zeit im Heim fragt, und, wer Schwester Teufel ist, sagt sie ihm, dass sie nur vergessen will.
Christians Assistentin FREDERIKE KLEIN (34), in ihren Chef verschossen, erhält von ihm den Auftrag, ehemalige Heiminsassen zu finden, was ihr auch gelingt. All diese Frauen reden über die damalige Brutalität in den Sechzigern, aber keine will den Namen verraten.
In Christians „Detektei“ taucht der Sekretär des Kardinals MICHAEL GRÜN (68), Monsignore LOTHAR FISCHER (45) auf, der ihm viel Geld anbietet, wenn er den Fall nicht weiter verfolgt. Jasmin Dach ruft ihn an, und sagt ihm, dass sie bedroht wurde, und er den Fall nicht weiter verfolgen soll.
Er hört nicht darauf, und ermittelt weiter, und wird daraufhin von drei Männern zusammengeschlagen. Wieder aus dem Krankenhaus entlassen, liest er seiner Mutter aus dem Tagebuch von Helga Dach vor. Von ihrer Liebe zueinander, und davon, wie Schwester Teufel sie zwang, einen ihr wildfremden Mann zu heiraten.
Louise Bauer sagt nichts, schreibt aber einen Brief, in dem sie den tatsächlichen Namen von Schwester Teufel, der KARIN SCHULZE (66) lautet.
Christian findet die Adresse heraus, und geht mit Jasmin dorthin. Sie konfrontieren Karin Schulze mit ihrem Wissen. Sie leugnet nicht, sondern gibt alleine den gefallenen Mädchen die Schuld. Voller Wut stürzt Jasmin auf die ehemalige Nonne, und will sie erwürgen, was Christian verhindern kann.
Christians Mutter, die einen Schlaganfall erleidet, kann kaum sprechen. Christian besucht sie im Krankenhaus, und beide söhnen sich aus.
Quelle: Exposé Schwester Teufel


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RE: Das Exposé - gehasst und unterschätzt

#8 von Patti ( gelöscht ) , 10.10.2017 20:53

Hilfe! Wer hat ein Tipp für mich. Ich habe Drehbücher fertig geschrieben und habe keine Ahnung wie es weiter gehen soll. Habe schon bei Drehbuchwettbewerbe teilgenommen. Leider nur in der USA und die habe die Wettbewerbe für deutsche Drehbücher eingestellt. In Deutschland finde ich keine Wettbewerbe.

Patti

RE: Das Exposé - gehasst und unterschätzt

#9 von 7River , 10.10.2017 20:58

Du kannst auch Drehbücher an TV-Sender und Produktionsfirmen schicken.

Kannste ja mal die Kommentare durchlesen...

http://www.amateurfilm-forum.de/allgemei...lehnt-expos-ab/

 
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RE: Das Exposé - gehasst und unterschätzt

#10 von Patti ( gelöscht ) , 10.10.2017 21:09

Danke! Es ist so schwer. Ich gebe nicht auf, aber es entmutigt mich schon etwas. Habe drei Produktionsfirmen mal angeschrieben. Ich sollte mal mein Text überdenken.

Patti

RE: Das Exposé - gehasst und unterschätzt

#11 von 7River , 10.10.2017 21:13

Wie viele Drehbücher hast Du denn schon geschrieben?

Schickst Du die kompletten Drehbücher oder auch Exposés?

 
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RE: Das Exposé - gehasst und unterschätzt

#12 von Patti ( gelöscht ) , 10.10.2017 21:24

Zwei Drehbücher. Nummer drei ist in Arbeit. Weder noch, ich schreibe das ich gerne schreibe und es mit meinen Drehbücher ins Finale geschafft habe usw. Dann frage ich, ob ich es einreichen darf. Nicht so gut!?

Patti

RE: Das Exposé - gehasst und unterschätzt

#13 von 7River , 10.10.2017 21:32

Ein Exposé wie im Beispiel https://www.drehbuchwerkstatt.de/Fachtexte/expose.htm ist schon hilfreich. Man sieht, ohne jetzt 80 oder 100 Seiten zu lesen, worum es konkret geht. Das kann schon entscheiden sein. Ich glaube auch, dass TV-Sender und Filmstudios viele Drehbücher zum Lesen geschickt bekommen. Und da lesen sich Exposés schneller.

 
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RE: Das Exposé - gehasst und unterschätzt

#14 von Patti ( gelöscht ) , 10.10.2017 21:39

Habe für meine Drehbücher eine Exposé , nur habe ich sie nie geschickt. Jetzt bin ich schlauer :). Vielen Dank!

Patti

RE: Das Exposé - gehasst und unterschätzt

#15 von Gelöschtes Mitglied , 10.10.2017 22:19

Weiß nicht... Expose. Vielleicht noch in Deutschland möglich? Logline reicht sage ich. Eine Kunstart für sich. Die Leser haben so viel Erfahrung, dass sie schon bei der Logline gucken ob du einen vernünftig gestalten kannst. Kannst du nicht, warum sollten sie sich danach mehr mühe geben und in dir Glauben investieren? Und nach der erste Drehbuchseite sieht man auch eigentlich schon alles was man vor sich hat während die nächste 100 Seiten. So, ist es nur. Es ist ein Dshungel von ungeschriebene Regeln die man wissen muss.


   


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